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Behandlung

AKUTBEHANDLUNG

Wir wissen heute, dass die frühe Behandlung des Schlaganfalls in den ersten Stunden an einer speziellen Schlaganfallstation (Schlaganfalleinheit, Stroke Unit) zu einem besseren Ergebnis führt, als die Behandlung an einer allgemeinen Krankenstation. Die Patienten können früher nach Hause entlassen werden, müssen seltener in ein Pflegeheim, haben weniger Folgeschäden und weniger Patienten sterben in der unmittelbaren akuten Behandlungsphase.

Was geschieht an einer Schlaganfalleinheit?

Die Patienten müssen ärztlich und pflegerisch ständig überwacht werden. In der akuten Krankheitsphase müssen die lebenswichtigen Funktionen überwacht werden:

  • Blutdruck
  • Atmung
  • Sauerstoffsättigung
  • Blutzucker
  • Temperatur

Eine umfassende Diagnostik wird durchgeführt und spezifische Behandlungen werden eingeleitet. Sobald keine Gefährdung mehr gegeben ist, kann der Patient auf die allgemeine Krankenstation oder überhaupt in eine Rehabilitationseinrichtung entlassen werden.

Die Rehabilitation muss aber schon früh, oft noch an der Schlaganfalleinheit begonnen werden und im weiteren unmittelbar nach der Phase der Akutbehandlung an einer neurologischen Rehabilitationseinrichtung weitergeführt werden.

Um diese spezielle Akutbehandlung zu gewährleisten, hat man sich nicht nur in Österreich, sondern in vielen Ländern entschlossen, solche Schlaganfalleinheiten (Stroke Unit) einzurichten.

Auch in Österreich wurden in den letzten Jahren an vielen neurologischen Abteilungen solche Schlaganfalleinheiten eingerichtet, um in diesen kritischen Momenten die beste Hilfe zu bieten. In Österreich muss eine Schlaganfalleinheit folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Ein Facharzt für Neurologie muss rund um die Uhr anwesend sein.
  • Ein Internist muss ständig verfügbar sein.
  • Computertomographie, Ultraschalluntersuchung und Labor müssen ebenfalls rund um die Uhr verfügbar sein.
  • Bestimmte Untersuchungen wie z.B. Angiographie oder MR-Angiographie müssen jederzeit möglich sein.
  • Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten müssen in ausreichendem Maße für die Frührehabilitation zur Verfügung stehen.

Nach Beendigung der Akutbehandlung, entweder auf der Schlaganfalleinheit oder auf der allgemeinen Bettenstation, was insgesamt schon nach wenigen Tagen der Fall sein kann, soll die dort begonnene frühe Rehabilitation in eine reguläre längerdauernde Rehabilitationsbehandlung einmünden.

 

REHABILITATION

Dazu ist ein Team notwendig

Rehabilitation ist eine Teamleistung. Sie erfordert koordinierte Aktivitäten von Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und anderen Experten und Beratern, die sowohl mit dem Patienten als auch mit der Familie zusammenarbeiten. Entsprechend einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 1980, rev. 1997) werden dabei zur Beschreibung des Begriffes: "Behinderung" die Ebenen: Körper (Schaden, Funktionsstörung) - Person (Aktivität und Aktivitätseinschränkungen) - Gesellschaft (Partizipation und Einschränkungen) unterschieden. Auf den einzelnen Ebenen werden die Störungen detailliert erfasst und beschrieben und als Basis gezielter Interventionen herangezogen. Es ist nun Aufgabe der Rehabilitation, den eingetretenen Gehirnschaden in all seinen Auswirkungen auf körperliche, geistige und seelische Funktionen, aber auch die verbliebenen Restfunktionen detailliert zu erfassen, zu beschreiben und ein darauf abgestimmtes Rehabilitationsprogramm zu erstellen. Ziel aller Bemühungen ist ein möglichst selbstbestimmtes Leben der Betroffenen.

Frühe Rehabilitationsphase

Während in der frühen Rehabilitationsphase die spontane Rückbildung von Funktionseinschränkungen (z.B. Bewusstseinstrübung, Wahrnehmungsstörungen, Halbseitenlähmung, Schluckstörung, Sprachstörungen, gestörte Harn- und Stuhlkontrolle) von großer Bedeutung ist, nimmt mit zunehmendem zeitlichen Abstand der Einfluss therapeutischer Maßnahmen zu. Neuere Untersuchungen sprechen dafür, dass auch viele Monate nach einer Schädigung des Gehirns noch Anpassungsvorgänge im Sinne einer Plastizität des Gehirns möglich sind. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der restaurativen Neurologie. Mehr als 55% aller Patienten bleiben jedoch in der einen oder anderen Form beeinträchtigt. Einer englischen Untersuchung zufolge können 58% der Patienten, die vor dem Schlaganfall selbst Auto fahren konnten, dies nach dem Gehirninfarkt bzw. nach der Gehirnblutung nicht mehr. Insbesondere in der frühen Rehabilitationsphase kommt dem Wechsel von der Grundpflege (Haut- und gelenksschonende Lagerung und andere Maßnahmen zur Verhinderung von Folgeschäden) hin zur aktivierenden Pflege (Nahrungsaufnahme - Körperpflege - Blasentraining) eine besondere Bedeutung zu. Dabei ist auf die jeweilige Belastbarkeit und das geistige Verarbeitungsvermögen des Patienten Rücksicht zu nehmen. Eine weitere wichtige Maßnahme stellt das möglichst frühzeitige Erarbeiten von natürlichen Bewegungsübergängen (vom Liegen zum Sitzen und weiter zum Stehen und wieder zurück) unter therapeutischer Hilfestellung dar. Dadurch werden bekannte Muster im Gehirn aktiviert. Gleichzeitig kann damit einer Reihe von Komplikationen vorgebeugt werden.

Physiotherapie

Die Physiotherapeuten helfen dem Patienten, Gleichgewicht und Koordination zu verbessern und Bewegungen wiederzuerlernen, die für das Sitzen, Stehen und Gehen wichtig sind. Dabei achten sie insbesondere darauf, dass möglichst keine übermäßige Verkrampfung der gelähmten Muskeln sowie keine Fehlbelastung von Gelenken auftritt. Falls erforderlich, bietet eine Anzahl von mechanischen Hilfsmitteln - Rollstuhl, Schienen, Gehgestell, Stock, Krücken, welche von den Sozialversicherungen zur Verfügung gestellt werden - zusätzliche Unterstützung. Um einen entsprechenden Einsatz im Alltag zu gewährleisten, ist eine ausführliche Unterweisung der betreuenden Angehörigen in den korrekten Gebrauch erforderlich.

Logopädie

Logopäden arbeiten mit Schlaganfallpatienten, die eine Schädigung der Sprachzentren im Gehirn erlitten haben. Auch die Behandlung von Sprechstörungen, Schluckstörungen und gestörtem Atemrhythmus fällt in ihren Bereich. Da diese Störungen häufig besonders hartnäckig und beeinträchtigend sind, ist auch hier eine ausführliche Angehörigenschulung erforderlich. Dem Schweregrad angemessene Kontrollen dienen der Anpassung und Weiterentwicklung der jeweiligen Kommunikationsmöglichkeit.

Ergotherapie

Ergotherapeuten konzentrieren sich auf das Erlernen von Alltagsfertigkeiten wie waschen, rasieren, schminken, ankleiden, Nahrungsaufnahme, Besteckgebrauch, usw.. Auch dabei wird ein - der jeweiligen Einschränkung angepasster - Einsatz von Hilfsmitteln erarbeitet. So stehen dem am Arm gelähmten Menschen eine ganze Reihe von Einhänder-Hilfsmitteln zur Verfügung. Es gibt auch Unterlagen mit Hinweisen, wie Wohnungen und Häuser adaptiert werden können, um Schlaganfallpatienten ein möglichst unabhängiges Leben zu ermöglichen. Dabei ist jedoch der geistigen Verarbeitungsfähigkeit des Patienten stets Rechnung zu tragen. Auch hier ist eine persönliche Vereinbarung mit dem Patienten und den betreuenden Angehörigen erforderlich.

Neuropsychologie

Bei Aufmerksamkeits- und Gedächtnisproblemen, Wahrnehmungsstörungen, Orientierungsstörungen, sowie bei gestörten planerischen Fähigkeiten erstellen Neuropsychologen entsprechende Therapieprogramme, welche zumeist die verbliebenen Fähigkeiten des Patienten ausbauen. An der Umsetzung dieser

Programme ist aber jeweils das ganze Reha-Team beteiligt. Nur so kann sich der hirnleistungsgestörte Patient im Alltag zurechtfinden. Auch die Angehörigen müssen in die entsprechenden Abläufe eingebunden sein, um die erreichten Erfolge zu festigen.

Teambesprechungen

Regelmäßige Teambesprechungen dienen der weiteren Rehabilitationsplanung unter besonderer Berücksichtigung von Faktoren, welche einen weiteren Fortschritt eventuell verhindern, z.B. anhaltende Herzschwäche; vorbestehende Gelenksschäden; schwere Antriebsstörung u.v.m. Die erreichten Fortschritte werden erfasst und anhand von geeigneten Skalen und Messinstrumenten dargestellt. Im Rahmen dieses wichtigen Informationsaustausches können so schon frühzeitig individuelle Ziele gesetzt und laufend mit dem Patienten und seinen Angehörigen abgestimmt werden.

Probeurlaub

Durch die Maßnahme der Probebeurlaubung des Patienten nach entsprechender Einschulung der Angehörigen können bereits vor der endgültigen Entlassung eventuell auftretende Probleme erkannt und ihnen entsprechend gegengesteuert werden. Auch die Notwendigkeit einer Hauskrankenpflege, einer Haushaltshilfe, einer Versorgung mit "Essen auf Rädern" sowie einer weiterführenden ambulanten oder teilstationären Therapie (Tagesklinik) kann so recht gut abgeschätzt werden. Nicht vergessen werden dürfen arbeitsrechtliche und wirtschaftliche Aspekte der Behinderung. In diesen Fragen stehen die Behindertenberater des Arbeitsmarktservices, Mitarbeiter der Sozialversicherungsträger, des Bundessozialamtes und des jeweiligen Bezirks-Sozialsprengels als Ansprechpartner zur Verfügung.

Stütze und Ermutigung

Einer der wichtigsten Aspekte der Rehabilitation ist das Erarbeiten von Lebensqualität. Ein Drittel der Schlaganfallpatienten wird depressiv - manche nur wenig, andere bis zum Punkt der Verzweiflung. "Alles geht so langsam", sagen die einen. "Was bin ich als Behinderter überhaupt noch wert?", fragen sich viele.

Depressive Störungen treten auch noch lange nach der stationären Rehabilitation auf. Meist sind die Patienten dann schon mehr oder weniger gut zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung integriert. Die "Freunde" haben sich zurückgezogen oder reagieren mit unangemessener Hilfsbereitschaft, welche eine Selbstbestimmung beeinträchtigt. Neben der Vereinsamung sind es häufig Schmerzen in der gelähmten Körperhälfte bzw. im gesamten Bewegungsapparat, welche den Schlaganfall-Patienten zu schaffen machen. Auch die Angst vor einem neuen Schlaganfall trägt zu einer Verunsicherung bei. Häufig sind auch die nächsten Angehörigen von einer Rat- und Mutlosigkeit erfasst und leiden mit. Damit verbunden kommt es zu einem Funktionsverlust, und die Lebensanpassung ist in allen Bereichen gefährdet. Übermäßige Inanspruchnahme von Hauskrankenhilfe, übermäßiger Konsum von Schmerzmitteln, Beruhigungs- und Schlaftabletten sowie vermehrte Arztbesuche und Krankenstandstage von betreuenden Angehörigen können Zeichen einer derartigen Überlastung sein.

In dieser Situation ist eine unterstützende Behandlung mit spezifischen, gegen Depression wirksamen Medikamenten angezeigt. Eine Ergänzung zur ärztlichen Hilfe stellen hier die Selbsthilfegruppen dar, in denen die Patienten und ihre Angehörigen Ratschläge für die verschiedensten Probleme erhalten, aber auch durch Gespräche mit Gleichbetroffenen aus ihrer Einsamkeit geholt werden können.

Bei speziellen Problemstellungen (z.B. chronische Schmerzen durch Muskelverkrampfungen, schwierige Fragen der Hilfsmittelausstattung, operative Korrektur funktionsbehindernder Fehlstellungen, gezielte neurorehabilitative Behandlung zur Vorbereitung auf die Wiederaufnahme einer Berufstätigkeit) kann nach vorheriger chefärztlicher Begutachtung eine Wiederaufnahme in einem geeigneten Rehabilitationszentrum erforderlich sein. Dadurch kann im Einzelfall mit gezielten Maßnahmen eine weitere Verbesserung der Lebensumstände für die Betroffenen und deren Angehörige erarbeitet werden.

Lebensqualität

Die Wiedererlangung von Lebensqualität stellt in jedem Fall einen aktiven Prozess des Sich-Auseinandersetzens mit den verbleibenden Funktionseinschränkungen und der sozialen Beeinträchtigung dar. Dabei ist realistischerweise zu bemerken, dass eine optimale Anpassung an die neuen Lebensumstände zumindest genauso schwer zu erreichen und aufrechtzuerhalten ist wie Glück und Harmonie für "nicht-behinderte" Personen. Im Einzelfall kann der Prozess der Krankheitsverarbeitung eine geeignete psychotherapeutische Betreuung erforderlich machen. Dabei sind insbesondere die persönlichen Lebensziele und die zugrundeliegenden Bedürfnisse zu beleuchten und die Möglichkeiten der Umsetzung zu überprüfen. Neben fundierten psychotherapeutischen Kenntnissen ist daher auch hier die Zusammenarbeit mit einem entsprechend geschulten Team und mit den Angehörigen erforderlich.

Für die Stabilität des Rehabilitationserfolges ist es sehr wichtig, die Faktoren, welche zu der Erkrankung geführt haben, zu kennen und wenn möglich zu verringern. Bereits frühzeitig sollten die Patienten und deren Angehörige über die Risikofaktoren und deren Beeinflussungsmöglichkeiten aufgeklärt werden. In weiterer Folge ist es Aufgabe der Hausärzte, das Bewusstsein über die persönlichen Risikofaktoren wach zu halten und entsprechende Kontrollen vorzunehmen.

 
         
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