Homepage

Einen Schlaganfall erkennen

KRANKHEITSZEICHEN BEIM VORLIEGEN EINER TRANSIENTEN ISCHÄMISCHEN ATTACKE ODER EINES SCHLAGANFALLS


Plötzliche Schwäche oder Lähmung einer Körperseite, meist Arm und Bein, oft auch Gesicht

Häufige Beispiele:

  • Plötzlich fällt ein Arm herunter, der Mundwinkel auf derselben Seite hängt herab, beim Versuch aufzustehen, gehorcht das Bein nicht, es ist kraftlos und knickt ein.
  • Man kann auch mit einem Gefühl der Armschwäche aufwachen und plötzlich merken, dass das Aufsetzen oder Aufstehen durch die Kraftlosigkeit des Beins erschwert ist.
  • Alle Bewegungen mit der betroffenen Hand sind ungeheuer schwierig und erfordern höchste Anstrengung und sind dennoch kraftlos.
  • Jemand anderer beobachtet, dass der Mundwinkel herabhängt, selber hat man es zu diesem Zeitpunkt oft noch nicht bemerkt.
  • Plötzlicher Sturz ohne fassbare Vorzeichen bei voll erhaltenem Bewusstsein. Beim Versuch aufzustehen gehorcht eine Körperseite nicht, sie ist "wie gelähmt".
  • Es fällt eine Asymmetrie des Gesichts im Spiegel auf, ein Mundwinkel hängt herab, die Hand derselben Seite ist ungeschickt und beim Versuch zu sprechen ist die Sprache verwaschen und undeutlich.
  • Eine Asymmetrie des Gesichts kann auch ohne Schwäche der Hand auftreten.
  • Verwaschene Sprache kann auch mit einem unerklärlichen Schwindelgefühl oder Gefühl des Verändertseins einhergehen. Bei genauerer Prüfung ist dann oft die feine Geschicklichkeit der Hand beeinträchtigt.


Plötzliche Gefühlsstörung einer Körperhälfte, meist Arm und Bein, oft auch Gesicht

Häufige Beispiele:

  • Plötzliche Ungeschicklichkeit der Hand bei täglichen Verrichtungen, sie fühlt sich "wie fremd" an, eine geringe Schwäche beim Greifen kann auch vorhanden sein. Ein fremdartiges Gefühl wird auch am Bein bemerkt, ebenso am Mundwinkel ein "Kribbeln". Beim Versuch zu trinken, kann Flüssigkeit wieder aus dem Mundwinkel herausrinnen. Man versucht vergeblich durch "Selbstmassage" oder Einreiben eine Verbesserung zu erzielen.
  • Plötzlich auftretendes, wiederholtes Danebengreifen, beim Versuch Gegenstände zu fassen werden diese umgestoßen, weil man sie nicht richtig tastet.


Unverständliche Sprache,gestörtes Sprachverständnis

Häufige Beispiele:

  • Plötzlicher Verlust des Sprachverständnisses, man brabbelt unverständliche Laute, die Kommunikation mit der vertrauten Umwelt ist gestört.
  • Angehörige und Helfer sind durch sprachliche Mitteilungen nicht mehr erreichbar, man versucht es immer wieder, anfangs ist dies für den Betroffenen oft nicht merkbar, Betroffene können dadurch ungehalten reagieren, oftmals sind sie aber ratlos und verwirrt.


Halbseitige Störung des Gesichtsfeldes

Häufige Beispiele:

  • Beim Gehen stößt man immer wieder in einer Raumhälfte auf Hindernisse, die man nicht sieht.
  • Beim Lesen oder Fernsehen ist plötzlich eine Hälfte des Bildes verschwunden.


Halbseitige Störung der Wahrnehmung

Häufige Beispiele:

  • In einer Raumhälfte werden die Dinge plötzlich nicht oder unzureichend wahrgenommen.
  • Man wendet sich einer Raumhälfte nicht mehr zu.
  • Man schreibt nur mehr bis zur Mitte eines Blattes.
  • Eine Kombination dieser Störungen kann gemeinsam mit einer einseitigen Schwäche auftreten.


Ungerichteter Schwindel mit zusätzlicben Krankheitszeichen

Häufige Beispiele:

  • Plötzlicher Schwindel und Fallneigung nach einer Seite. Der Betroffene muss sich anlehnen, damit er nicht umfällt.
  • Plötzlicher Schwindel und man sieht alles doppelt.
  • Plötzlicher Schwindel mit Übelkeit.

 

WAS KANN MANN TUN ?

Richtlinien für den Laienhelfer

  1. Sofort den Notarzt rufen oder einen Notruf veranlassen!
  2. Fenster öffnen, beengende Kleidungsstücke lockern!
  3. Betroffenen mit dem Oberkörper 30 Grad hochlagern. Bei Übelkeit oder Erbrechen in Seitenlage bringen!
  4. Vorhandene Zahnprothesen entfernen!
  5. Puls- und Herzschlag kontrollieren!
  6. Atemwege freihalten!
  7. Für Ruhe des Betroffenen sorgen!

 

Richtlinien für den Sanitäter

Erkennen eines Schlaganfalls

Ein Schlaganfall liegt wahrscheinlich dann vor, wenn die Beschwerden plötzlich ("schlagartig") eingetreten sind oder aus dem Schlaf heraus beim Aufwachen schon beobachtet werden, und Krankheitszeichen wie Kraftminderung, Sprachstörung, Sehstörung gefunden werden.

 

Wie kann man die Krankheitszeichen prüfen?

Prüfung der Kraft:
Aufforderung beide Arme waagrecht nach vorne zu halten. Es geht gar nicht oder nicht vollständig oder der Arm sinkt nach Vorhalten wieder ab. Prüfung des Sprachverständnisses: Aufforderung die Augen zu schließen Die Zunge vorzustrecken Wird die Aufforderung verstanden ? (Die Aufforderung darf nicht durch Gesten vorgezeigt werden !!, man darf sie nur vorsprechen).

Prüfung der Sprachfähigkeit:
Aufforderung einen Satz zu sprechen Kann der Patient einen Satz geordnet sprechen, verwechselt er Wörter oder Silben, ist das Gesprochene unverständlich oder gibt er nur Laute von sich ?

Es muss sich nicht unbedingt um einen Schlaganfall handeln, auf jeden Fall liegt ein Notfall vor. Auch weiß man in den ersten Viertelstunden oder Stunden nicht, ob "nur" eine transiente ischämische Attacke vorliegt, deren Krankheitszeichen sich bald wieder zurückbilden werden, oder ob ein bleibender Schlaganfall mit Gehirninfarkt vorliegt (siehe oben). Auf jeden Fall handelt es sich um einen Notfall.

 

Kriterien für den "frischen" Schlaganfall

1. Die Krankheitszeichen sind plötzlich aufgetreten JA / NEIN
2. Der Patient ist wach JA / NEIN
3.

Eines oder mehrere der folgenden Krankheitszeichen liegen vor

Krankheitszeichen und deren Prüfung

  • Der Arm kann nicht gehoben werden oder sinkt beim Vorhalten ab
    Vorhalten beider Arme mit geschlossenen Augen (45 Grad) im liegen
  • Behindert oder unfähig, Sätze zu bilden
    Einen Satz sprechen lassen
  • Beeinträchtigung des Sprachverständnisses
    Anweisung "Augen schließen" und "Zunge zeigen" (nicht vorzeigen). Beeinträchtigt diese Anweisungen auszuführen
  • Sehstörungen auf einem Auge oder nach einer Seite
    ein Auge zuhalten
JA / NEIN
4. Der Beginn der Krankheitszeichen liegt weniger als 4 Stunden zurück JA / NEIN

Bei JA auf die Fragen 1,2,4 und eine der Fragen von 3:

  • Beginn des Ereignisses so genau wie möglich dokumentieren Datum/Uhrzeit
  • Über die Zentrale Kontakt mit der nächsten Schlaganfalleinheit aufnehmen

 

Was soll der Arzt tun?

Erste Maßnahmen bei einem Schlaganfall vor Ort oder in der Rettung

  • Notfallanamnese
  • Notfalluntersuchung
  • Beurteilung von Blutdruck, Puls, Atmung, Bewusstseinslage
    Nur bei sehr hohen Blutdruckwerten (über 220/110) den Blutdruck vorsichtig senken
  • Blutzucker bestimmen (Blutzuckerstreifen)
    Bei erhöhten Blutzuckerwerten Insulingabe
    Bei Hypoglykämie Glukosegabe
  • Intravenöser Zugang für allenfalls notwendigen Flüssigkeitsersatz
  • Falls notwendig O2-Zufuhr durch Nasenbrille
  • Eventuell Intubation und Beatmung
  • Den Betroffenen beruhigen
  • Möglichst gut dokumentieren (Beginn der Symptomatik, Ausmaß von Ausfallserscheinungen, z.B. Schwäche oder Lähmung, eventuell Glasgow Coma Score)
  • So rasch wie möglich an Schlaganfalleinheit schicken
  • Den Patienten an der Schlaganfalleinheit telefonisch ankündigen
  • Angehörige für Außenanamnese mitschicken.

 
         
  © 2000 ÖGSF - Österreichische Gesellschaft für Schlaganfall-Forschung