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SCHLAGANFALL IST HÄUFIG - ER KANN JEDEN TREFFEN
Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache
in den westlichen Industrienationen. Jährlich erleiden
etwa 20.000 Österreicher erstmals einen Schlaganfall
und unter 1.000 Einwohnern einer Gemeinde leben etwa 8 Personen,
die an den Folgen eines Schlaganfalls leiden. Somit ist der
Schlaganfall die häufigste Ursache für eine schwere
Behinderung im Erwachsenenalter. Die meisten Schlaganfälle
treffen ältere Menschen über 70, Schlaganfälle
können aber auch im jungen Erwachsenenalter und
- selten - sogar im Kindesalter vorkommen.
DAS GEHIRN - UNSER WICHTIGSTES ORGAN
Das Gehirn ist in Hinblick auf unsere "menschlichste" Leistung
das wichtigste Organ, aber gleichzeitig ist es im Vergleich
zu allen anderen Organen am meisten durch eine Verringerung
der Durchblutung in seiner Existenz bedroht. Bei Störungen
der Blutzufuhr - und nichts anderes ist ein Schlaganfall -
sind Gehirnzellen im Kerngebiet der Durchblutungsstörung
innerhalb von Minuten vom Absterben bedroht, in der Umgebung
dieses Kerngebietes innerhalb von Stunden. Bedenkt man, dass
wir mit dem Gehirn nicht nur Bewegung steuern, sondern dass
auch Fühlen, Denken, Erinnern und viele andere komplexe
Leistungen im Gehirn geschehen, gibt es in einer solch bedrohlichen
Situation wohl nichts Dringenderes, als dieses Organ
zu schützen.
DEFINITION DES SCHLAGANFALLS
Eine durch Blutleere in einer Hirnarterie (sog. Ischämie)
entstehende regionale Durchblutungstörung des Gehirns
mit Auftreten eines fokal neurologischen Ausfalls, welcher
vorübergehnd oder dauerhaft sein kann. Es kann zu einem
ischämischen Infarkt kommen. Dieser stellt eine bleibende
strukturelle Schädigung einer Hirnregion dar. Auch flüchtige
neurologische Ausfälle (sog. transitorisch ischämische
Attacke, TIA) können bereits Ausdruck eines Infarktes
sein.
WAS IM MOMENT DES SCHLAGANFALLS PASSIERT
In einem Blutgefäß, das zum Hirn führt oder
innerhalb des Hirns verläuft, kommt es zu einem plötzlichem
Verschluss und dadurch zum Sauerstoffmangel in der angeschlossenen
Hirnregion. Dieser Verschluss kann zum Beispiel durch einen
Blutpropfen (Thrombose) verursacht werden, der an der Gefäßwand
anhaftet und durch sein Wachstum das Gefäß plötzlich
ausfüllt und blockiert. Zum anderen kann dieselbe
Wirkung auch durch einen Blutpropfen, der von der Gefäßwand
einer Halsarterie oder von der Herzwand losgerissen wurde
und in das Gehirn eingespült wird (Thromembolie), erzielt
werden. In beiden Fällen kommt es zur Blockade des Blutflusses
in einer Hirnregion. Damit ist das nachgeschaltete Gewebe
von Sauerstoffmangel bedroht und die Nervenzellen sterben
ab. Die Folge ist ein Gewebsuntergang (Hirninfarkt). Die sichtbaren
und spürbaren Folgen sind von der Lokalisation der Durchblutungsstörung
abhängig und Ausdruck dessen, dass das Gehirn in seinen
unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Aufgaben wahrnimmt.
So ist ein großer Teil des Stirnhirns für die Motorik
zuständig, der Schläfenlappen (zumeist auf der linken
Seite) für das Verstehen von Sprache und ein Teil des
Hinterhauptlappens für das Sehen.
URSACHE DES SCHLAGANFALLS
Die häufigste Ursache des Schlaganfalls ist die Verstopfung
einer großen oder kleinen Ader im Gehirn, dadurch kommt
es im dahinter liegenden Bezirk des Gehirns zur Blutleere
(= Ischämie) und damit zum Sauerstoffmangel. Die Nervenzellen
können dann ihre Tätigkeit nicht mehr durchführen
und stellen diese ein. Es kommt dadurch zu Krankheitszeichen
(= Symptome), die davon abhängen, welche Aufgaben dieser
Gehirnbezirk hat. Der Betroffene kann z.B. den Arm nicht mehr
bewegen - eine Lähmung -, er hat eine Sehstörung,
eine Sprachstörung, oder viele andere Zeichen. Wenn diese
Durchblutungsstörung nur kurz anhält, sterben keine
oder nur wenige Nervenzellen ab, die meisten können ihre
Tätigkeit wieder aufnehmen, wenn die Durchblutung nach
ein paar Minuten oder Viertelstunden wieder einsetzt. Das
war dann ein "Schlagerl", wie die Leute sagen, eine transiente
ischämische Attacke (TIA) wie die Ärzte sagen. Wenn
die Durchblutungsstörung länger anhält, gehen
viele Nervenzellen unterschiedlich rasch zugrunde und das
betroffene Gehirngewebe stirbt ab, es ist ein ischämischer
Gehirninfarkt entstanden, Krankheitszeichen bleiben
bestehen und bilden sich nur teilweise im Laufe der Zeit zurück.
Ursache für die Verstopfung einer Ader ist ein Blutgerinnsel
(Thrombus), das sich an einer Herzinnenwand oder an einer
großen Körperschlagader (Aorta) über Halsschlagader
gebildet hat und von dort plötzlich weggeschwemmt wird
(=Embolie). Es kann ein solches Blutgerinnsel aber auch an
einer Ader im Gehirn entstehen, langsam größer
werden und diese Ader schließlich ganz verstopfen (=
Arterothrombose). Es gibt aber auch andere seltene Ursachen
für eine TIA oder einen ischämischen Infarkt, z.B.
Gefäßentzündung, Gerinnungsstörungen
und andere. Eine viel seltenere Ursache des Schlaganfalls,
etwa 15% ist eine Blutung aus einer geplatzten Ader, eine
Gehirnblutung. Die Krankheitszeichen sind ganz ähnlich
wie bei einem ischämischen Infarkt und man kann die beiden
Arten des Schlaganfalls nur durch eine neurologische Untersuchung
und eine Computertomographie des Gehirns unterscheiden, was
wichtig ist, weil ischämischer Infarkt und Blutung unterschiedlich
behandelt werden.
DIE HÄUFIGSTEN FORMEN DES SCHLAGANFALLS
Lakunäre Infarkte
Diese sind kleine Infarkte, nicht größer als 1
x 1 cm (Lakune) und Folge einer Verstopfung einer kleinen
Ader innerhalb des Gehirns. Ursache ist meist ein langjährig
bestehender ungenügend behandelter Bluthochdruck, seltener
kann auch eine langjährige Zuckerkrankheit zu solchen
Schädigungen führen. Oft liegen mehrere Risikofaktoren
gleichzeitig vor, z.B. Bluthochdruck, Diabetes und Nikotinmissbrauch.
In vielen Fällen findet man in der Computertomographie
mehrere solche Lakunen, die offenbar früher eingetreten
sind und "klinisch stumm" waren, d.h. ohne Krankheitszeichen
einhergegangen sind. Wenn viele solche kleinen Infarkte, Lakunen,
vorliegen, kann es zum Nachlassen der geistigen Fähigkeiten
oder zum Auftreten von Persönlichkeitsveränderungen,
z.B. Reizbarkeit, kommen.
Embolische Infarkte
Größere Blutgerinnsel, die in das Gehirn eingespült
werden (Embolie), stammen aus den Halsschlagadern, den Körperschlagadern
oder aus dem Herzen. Durch ihre Volumen verstopfen sie eine
größere Ader im Gehirn, was zum Gewebsuntergang
einer ausgedehnteren Gehirnregion führt. Viele Herzerkrankungen
(z.B. unregelmäßiger Pulsschlag = Arrhythmie) können
zur Bildung eines Blutgerinnsels führen, das als Embolus
plötzlich weggespült wird. Im Bereich der Halsschlagader
entstehen solche Thromben oft im Rahmen der Atherosklerose
bei Rauchern.
Hämodynamische Infarkte
Durch Verengung (=Stenose) an zwei oder mehreren Gehirnadern
kann der Gehirnbezirk dazwischen schlecht durchblutet sein
(die "letzte Wiese" im Bewässerungssystem). Wenn die
Durchblutung des Gehirns ganz allgemein plötzlich abnimmt,
kann die Durchblutung in dieser "letzten Wiese" völlig
zusammenbrechen und es kommt zum ischämischen Infarkt.
Dies kommt besonders bei Menschen mit fortgeschrittener Atherosklerose
und schlechter Allgemeindurchblutung vor.
Andere Infarkte
Selten können andere Ursachen zu einem Schlaganfall führen,
nämlich erbliche Faktoren, Störung der Blutgerinnung,
Störung des Immunsystems und andere.
Hirnblutung
Während die Mangeldurchblutung (Ischämie) etwa 85
% aller Schlaganfälle ausmacht, werden etwa 15 % der
Schlaganfälle durch das Platzen einer Ader im Gehirn
hervorgerufen. Dadurch entsteht nicht eine Blutleere, sondern
es kommt zu einer Blutansammlung im Hirngewebe. Die Blutung
kann oft große Ausmaße erreichen und durch ihre
Ausdehnung lebensbedrohlich sein. Erhöhter Blutdruck
ist die häufigste Ursache einer Gehirnblutung.
Eine genaue Diagnose - Infarkt oder Blutung - ist nur durch
eine neurologische Untersuchung und Computertomographie möglich.
Die sofortige Abklärung ist notwendig, um eine gezielte
Therapie einleiten zu können und gleichzeitig die Gefahr
eines nachfolgenden Schlaganfalls zu verhindern.
DIE TRANSIENTE ISCHÄMISCHE ATTACKE IST BEREITS EIN
MEDIZINISCHER NOTFALL
Bei der TIA dauert die Ausfallssymptomatik höchsten
24 Stunden, oft nur Minuten. Häufig kommt es bei einer
solchen Attacke bereits zu einem kleinen Hirninfarkt, den
man "gut wegsteckt", entweder aufgrund der raschen Rückbildung
der neurologischen Krankheitszeichen oder der Fähigkeit
des Gehirns, diese rasch zu kompensieren. Man kann aber am
Beginn nicht wissen, ob die Krankheitszeichen sich rasch wieder
zurückbilden, es bei einer TIA bleibt, oder die Krankheitszeichen
bestehen bleiben, also ein Infarkt oder eine Blutung vorliegt.
Daher ist die TIA auch ein neurologischer Notfall.
Außerdem geht jedem vierten Schlaganfall ein solches
Schlagerl voran, die TIA ist demnach ein "Schuss vor den Bug",
ein alarmierendes Warnzeichen.
EIN SCHLAGANFALL TUT NICHT WEH
Manchmal begleiten Kopfschmerzen einen ischämischen
Schlaganfall, stehen aber nicht im Vordergrund. Bei der Gehirnblutung
treten häufig plötzliche heftige Kopfschmerzen auf.
Weil es aber meist nicht die Schmerzen sind, die den Ernst
der Situation erkennen lassen, ist es so wichtig, dass die
Menschen wissen, mit welchen Krankheitszeichen ein Schlaganfall
einher geht, und sie selbst rasch Hilfe herbeiholen.
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